Monatsarchiv: Juni 2006

Lieblingsverein Argentinien

Apropos mal gar nicht langweilig:

Jetzt hat's mit meiner ersten großen Liebe doch noch geklappt: In den Wochen nach der WM 1978 habe ich auf die Frage nach meinem Lieblingsverein stets mit Argentinien geantwortet. Als Reaktion gab's damals meist einen hämischen Kommentar oder ein eher mitleidiges Grinsen… in etwa das, was man später als HSV-Fan ebenfalls desöfteren einstecken musste. An der Stätte meines aktuellen Lieblingsvereins durfte ich am 10. Juni dann endlich den Vorgänger live beobachten. Argentinien gegen die Elfenbeinküste lautete das erste von zwei WM-Spielen, für das ich glücklicherweise Tickets ergattern konnte.

Apropos Glück: Das hatten wir auch mit unseren Plätzen. Die waren nicht nur billig (21 Euro), sondern eigentlich gar nicht sichtbehindert – obwohl es so auf den Karten stand. Wir hatten schon mit zwei staubigen Notsitzen hinter einer tragenden Säule gerechnet, durften aber ganz vorne und ganz entspannt im C-Rang sitzen und mussten nur über das abgebildete Geländer linsen. Mit anderen Worten: beste Sicht (sobald die Brezel-Verkäufer wieder abgezogen waren).

Was folgte, findet man im Lexikon fortan wohl unter "F" wie Fußballfest oder unter "Z" wie ziemlich geil. Mit unseren Argentinien-Shirts saßen wir mitten im großen Fanblock der Elfenbeinküste und haben alle Emotionen von Euphorie bis Weltuntergangsstimmung hautnah miterleben dürfen. Argentiniens 2:1-Sieg war zwar glücklich, aufgrund der mangelnden Cleverness der Afrikaner vor dem Tor aber auch nicht unverdient.

Meinen beiden Sitznachbarn aus Argentinien hab ich die bittere Wahrheit aber lieber nicht erzählt (abgesehen davon, dass unsere Englischkenntnisse auch von zwei unterschiedlichen Planeten stammten) : Ich hätte mich auch über einen Sieg der Ivorer durchaus gefreut – das hätte mir schließlich eine Quote von 1:11 bei Bet&Win gebracht. Okay, war ein bisschen schäbig, Argentinien für ein paar Euronen in den Rücken zu fallen. Aber auf ewig muss man der ersten (Fußball-)Liebe ja auch nicht treu bleiben…

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Träumen ist ja wohl erlaubt

Apropos unrealistisch:

vittek_180.jpgeigentlich sollte das ja kein reiner Fußball-, WM oder HSV-Blog werden. Aber es gibt schon wieder Neuigkeiten in punkto HSV und Neuverpflichtungen – mal wieder sehr spannend. Genug der Vorrede: Im Sportteil der „Bild“-Zeitung wird heute über einen möglichen Wechsel von Rückrunden-Rakete Vittek von Nürnberg nach Hamburg spekuliert. Die Wahrscheinlichkeit mag zwar etwas höher sein als der Transfer von Robben zum HSV… aber da ist wohl trotzdem eher der Wunsch der Vater des Gedanken. Unter 10 Millionen dürfte da nichts gehen. Als weitere Kandidaten für den HSV-Sturm werden übrigens erneut Zigic und – ganz neu – Matea Kezman genannt. Wir dürfen also weiterhin gespannt sein…  

Nachtrag 26.6.: Er kommt, er kommt nicht, er kommt… Vittek scheint der Kaiman Sammy des Sommerlochs 2006 zu werden. Je nach Zeitung, Vereinsnähe und Wetterlage liest es sich immer wieder anders. Dass der Wechsel noch nicht vom Tisch ist, scheint zumindest schon mal ein Faktoid zu sein. Und Vittek soll sich laut Berater laut Bild für den HSV entschieden haben. Wer hat jetzt die besseren Karten im Transfer-Poker?

Der Neue

Apropos gegessen und durch:

Endlich mal eine Erfolgsmeldung in Sachen HSV und Neuzugang! Was für ein Tausch: Wir geben einen unzufriedenen Belgier ab, der seinen Zenit bereits überschritten und nur noch Lust auf bayrische Ränkespiele hat für viel Geld ab und holen stattdessen einen jungen und hungrigen Belgier, der als eines der weltweit größten Talente in der Innenverteidigung gilt und auf den auch Topclubs wie Chelsea und Co. heiß waren. Kurz gesagt: Adieu, van Buyten und Willkommen Vincent Kompany! Der 20-jährige Nationalspieler kommt für ca. 7,5 Millionen Euro vom RSC Anderlecht,  ist laut "Hamburger Abendblatt" "technisch und physisch außergewöhnlich stark" und war schon mit 18 Jahren Belgiens "Fußballer des Jahres". Scheint Didi Beiersdorfer wieder ein gutes Händchen gehabt zu haben… 

Und trotz des launigen Intros ist der scheinbar perfekte Wechsel von Kapitän van Buyten natürlich ein schwerer Schlag für die Hanseaten – ohne ihn wäre der sportliche Erfolg in dieser Form wohl nicht möglich gewesen. Aber Reisende soll man nicht aufhalten (okay: 5 Euro ins Phrasenschwein) – und deswegen alles Gute und viel Glück bei den Bayern, Daniel!

Neuer Versuch

Apropos zäh:

Noch immer kann der HSV keinen Vollzug in Sachen Neuverpflichtung vermelden. Eher im Gegenteil – während der Wechsel von van Buyten zu den Bayern laut "Bild" immer wahrscheinlicher und noch diese Woche über die Bühne gehen wird, hat sich der Wechsel der peruanischen Perle Farfan offenkundig zerschlagen. PSV Eindhoven meldetete, dass der 21-Jährige seinen Vertrag bis 2010 verlängert hat. Also ein Wunderstürmer weniger auf den Markt.

Offiziell herrscht bei den Hamburgern noch Gelassenheit. Ich finde ja, dass die Zeit knapp wird – denn beobachtete Stürmer wie der Serbe Zigic dürften während der WM nicht gerade billiger werden (so sie nicht Landesblindengeld wie Ailton beantragen und damit eh wieder uninteressant sind). Kleine Hoffnung: Neuer Favorit soll Valeri Bojinov sein – und der kann sich als Bulgare während der WM nicht empfehlen. Schon im Winter hatte Didi Beiersdorfer erfloglos versucht, das Sturmtalent von Florenz loszueisen… vielleicht hat er jetzt ja mehr Glück (und mehr Geld in der Tasche… van Buyten sei – letztmalig – Dank).     

Das Ende naht

Apropos langweilig:

Krank sein ist doof! Erst recht, wenn man ein Mann ist. Dann ist alles noch viel schlimmer. Und natürlich ist in meinen heraufbrechenden letzten Stunden Frau M. nicht an meiner Seite. Sie floh vor meinem Siechtum ins heimelige Büro. Wer macht mir jetzt meinen  Husten- und Bronchialtee? Muss ich wieder meine letzten Kräfte mobilisieren und dann auch noch Bronchoforton ganz alleine (zitternd!) auf die eingefallene Hühnerbrust schmieren… es geht dem Ende entgegen (wie immer, wenn Männer krank sind).

Aber ich will mich nicht beklagen: Frau M. hinterließ mir vor ihrem Aufbruch nicht nur beste Genesungswünsche, sondern auch eine heiße Milch mit Honig. Aber der Dämon Google brachte es an den Tag: In Verbindung mit einem unschönen Husten ist Milch eigentlich grundverkehrt. Der Honig hingegen für einen lädierten Hals ein wahres Wundermittel. Steht also 1:1 in Sachen 1. FC Heilung gegen TSV Machsnochschlimmer. Wieder was gelernt, Internet sei dank. Noch mehr zu lernen gibt's (und damit krieg ich endlich die Kurve zum eigentlichen Auslöser dieses Posts) in diesem Cartoon, der hier zur Abwechslung mal ohne Verletzung irgendwelcher Urheberrechte platziert wurde:
cartoon from www.weblogcartoons.com

Cartoon by Dave Walker. Find more cartoons you can freely re-use on your blog at We Blog Cartoons.

Via OpenBlog 

Echt dreckig

Apropos langweilig:

 Ich kann sie nicht mehr hören, diese investigative Reporter-Frage, die ich noch drei Tage nach dem Kick gegen Kolumbien vernehmen muss: "Wie wichtig war es, mit einem Sieg im letzten Testspiel die Vorbereitung abzuschließen?" Herr, schmeiß Hirn von Himmel! Was für eine Antwort werden sich die Herren Sportler darauf wohl parat haben? (Einzig Kevin Kuranyi hätte hier noch zur Heiterkeit beitragen können.) Lernt man an der Sportreporter-Uni in 12 Semestern denn nichts anderes? Ein generelles Interview-Verbot sollte erwogen werden…

Themenwechsel: Ich entziehe hiermit öffentlich Italien seinen Status als meinen WM-Favoriten. Der Wettskandal scheint doch nicht spurlos an Totti & Co. vorbeigegangen zu sein. Kompensiert wird das ganze offensichtlich durch übertriebene Härte (formerly known as "Die Art von Gewalt, die wir sehen wollen, wenn auch nicht spüren wollen!"). Diese Szene aus dem Testspiel gegen die Schweiz zeigt überdeutlich, wie dreckig die Squadra Azzurro mittlerweile zu Werke geht.

Zweite Chance für die Finalversager

Apropos langweilig:

 RonaldoDer Finalkick von 2002 wird auch bei wiederholter Betrachtung nicht erbaulicher…. selbst wenn er auf Phoenix läuft. Trotzdem leidet und hofft man immer noch mit und drückt Kahn alle Daumen, dass er doch diesmal die Bälle festhalten möge. Aber wieder nix… Sensibilisiert für die T-Frage nimmt man die zahlreichen Szenen, in denen der Titan seine schmerzende Hand ausschüttelt, heutzutage viel klarer (und bedrohlicher) wahr als 2002 (Gott, was waren wir naiv!). Wir rufen Rudi Völler noch zu: "Wechsel den Kahn lieber aus!" – und doch: Tante Käthe hört nicht und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Kahn lässt abrallen ("No prall, no game") und lädt Ronaldo zum fröhlichen Abstauben ein.

Viel erschreckender als die eigentlich schmerzengsgeldpflichtige Frisur des Torschützen war aber die Erkenntnis, dass es soweit ja auch nicht her ist mit Klinsis "jungen Wilden". Die Mannschaft von 2002 kommt dem leicht vergesslichen Fußballfan doch erstaunlich bekannt vor. Metzelder, Frings, Asamoah, Schneider, Neuville, Klose und auf der Bank der talentierte Herr Ballack ließen mich in den ersten Szenen glauben, dass ich hier eine Wiederholung vom Confed-Cup sehen würde. Aber spätestens als Bierhoff eingewechselt wird, weiß man, welche Stunde geschlagen hat.  Aber immerhin: Ziege und Ramelow hat Klinsmann diesmal zuhause gelassen. Aber trotzdem: Die 2002-Bilder hinterlassen den unschönen Eindruck, dass 2006 eigentlich wieder das Team von 2002 auflaufen darf – nur mit einer viel schwächeren Abwehr.   

Aber genug gemeckert: Ich oute mich hier und jetzt als WM-Euphoriker. Ich freue mich auf alle Spiele und traue auch unserer Mannschaft eine Überraschung und mindestens das Viertelfinale zu. Notorischen Nörgler und Klinsmann-Kritiker sollen bitte für vier Wochen die Luft anhalten. Hinterher könnt ihr immer noch klugscheißen…