Alles super, Deine Elli

Apropos langweiliges Finale: 

Nun ist das Spektakel also vorbei. Nie mehr WM 2006. Und schon jetzt, Montagmittag, macht sich gähnende Langeweile breit. Kein Spiel mehr zu tippen, kein TV-Abend mehr zu organisieren, keine Wette auf einen deutschen Gegner zu platzieren. Der wirklich krönende Abschluss fand ja eigentlich schon am Samstag mit dem Spiel um Platz 3 statt. Das vermeintlich große Finale konnte da in keinster Weise mithalten – ich fand den Kick zwischen Italien und Frankreich (bis auf Teile der ersten Hälfte) so langweilig, dass ich hinterher insgeheim dachte: Gut, dass es nun auch mal vorbei ist. An das Endspiel werde ich mich in vier Jahren also wohl nur noch lückenhaft erinnern. Eigentlich schade, nach allem, was die WM an Emotionen ausgelöst hatte. Was also bleibt am Ende?

  • Die Erinnerung an spannende und hochklassige Spiele einer DFB-Elf, wie ich sie seit 1990 nicht mehr bejubeln durfte. Meinen Blutdruck während des Polen-Spiels möchte ich lieber nicht wissen… 
  • Die Erkenntnis, dass der ausgerufene „positive Patriotismus“ irgendwann genauso nervig wurde wie Karneval und Loveparade – was natürlich allemal besser ist als das dumpfe Gröhlen noch dumpferer Skinheads!
  • Die Freude über unzählige tolle Bilder – angefangen von überraschend friedlichen Fans bis hin zur beginnenden Männerfreundschaft zwischen Kahn und Lehmann.
  • Der Ärger über die ganzen Klinsmann-Kritiker, die vor der WM in der Bild-Zeitung gar nicht oft und gar nicht laut genug motzen konnten und dann nach den ersten Erfolgen auf einmal ganz ruhig sein konnten.
  • Und schließlich auch die Hoffnung, dass die Zahl der Fußballfans von 82 Millionen wieder auf ein erträgliches Maß zusammenschmilzt. Ich will mein schönes Hobby nicht mit dahergelaufenen Partymäuschen teilen… so viel Arroganz muss schon sein. 

Klar ist aber auch: Zu den größten WM-Verlieren gehören Me, Myself & I! Der Ruf des schier unbesiegbaren Tipp-Titanen ist endgültig dahin. Diverse letzte Plätze sprechen eine deutliche Sprache. Italien in der Vorrunde auscheiden zu lassen war keine gute Idee… und auf Tschechien als Weltmeister zu tippen wird mir so schnell auch kein zweites Mal passieren.

Apropos dumm gelaufen: Meine Strategie, bei betandwin auf die deutschen Gegner zu setzen und so im Falle einer Niederlage zumindest ein finanzielles Trostpflaster genießen zu dürfen, erwies sich ebenfalls als teurer Schuss ins eigene Knie. Erst recht, wenn man bei der einzigen deutschen Niederlage auf eine Entscheidung nach 90 Minuten gesetzt hatte. Insgesamt ließ ich mich zehnmal von der Quote blenden… und hab nicht ein einziges Mal gewonnen.

Aber trotz aller Tipp-Blamagen, trotz der Zidan’schen Brustnuss, trotz der schauspielernden Italiener, trotz einer peinlichen Verabschiedung der DFB-Elf auf dem Fanfest in Berlin und trotz der strunzlangweiligen 4-4-2-1-Taktikspielchen – an dieser Stelle kann ich – auch wenn’s ein bisserl pathetisch klingt und nach „Bild“-Sprache müffelt – mit ruhigem Gewissen die großen Dichter von „Juli“ zitieren: „Es war ’ne geile Zeit!“  

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Eine Antwort zu “Alles super, Deine Elli

  1. Männerfreundschaft zwischen Kahn und Lehmann? Sucht da Herr Lehmann auf dem Foto etwa nach der Kamera, die ihn hoffentlich auch ablichtet?

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